Blog - Im Gespräch mit...

STÜRZE VON DER BANK UND VIEL SPASS!

Darstellerin:innen des Theaterjugendclubs erzählen von ihrer Arbeit für die Familienoper »Orpheus und Eurydike«

Was wäre, wenn die verschiedensten Götter die menschlichen Geschicke auf Erden lenken würden? Wenn wir deren Spielball wären?

Die Inszenierung von Christoph Willibald Glucks Oper »Orpheus und Eurydike« auf der Theaterwiese geht dieser Idee nach: Daniel Klajner, Regisseur der Familienoper für die Thüringer Schlossfestspiele 2024, hat in seiner Lesart der mythologischen Geschichte eine Reihe von antiken Göttern ergänzt, die in das Geschehen um Orpheus und seine verstorbene Eurydike eingreifen. Ob zum Guten – das kann man ab dem 22. Juni 2024 sehen!

Chefdramaturgin Juliane Hirschmann sprach mit drei Darsteller:innen vom Theaterjugendclub, die drei der Götter verkörpern: mit Vincent Gründling als Zeus, mit Fanny Kamprad als Zeus’ Ehefrau Hera sowie Gerda Mohs als Schicksalsgöttin Tyche.

Ihr seid ja sonst im Theaterjugendclub. Was reizt euch allgemein am Theaterspielen? Warum seid ihr in den Jugendclub gegangen?

Fanny: Theater ist Ausdruck und Kreativität. Eine Rolle zu verkörpern hat ja etwas sehr Kreatives an sich, auch wenn man das Stück selbst nicht geschrieben hat. Es macht total Spaß, in andere Rollen zu schlüpfen. Dann ist für mich das Gemeinsame wichtig. Alle Leute, die ich bisher vom Theater kenne, sind aufgeschlossen, kreativ und lustig. Es ist immer gute Laune, schlechte Laune habe ich noch nicht erlebt, weder im Jugendclub noch hier. Es fühlt sich nicht an wie Arbeiten. Deswegen macht das in den Proben auch so einen Spaß.

Ich hatte zuletzt bei »Swing Again«, dem aktuellen Stück des Theaterjugendclubs, das Gefühl, dass man mal total loslassen und in eine andere Welt gehen kann. Dieses Gefühl hab ich auch bei »Orpheus und Eurydike«, zumal die Götterwelt ja auch eine ganz andere ist.

Gerda: Ich bin schon als Kind ganz oft ins Theater gegangen, hab mir spannende Stücke angeschaut. Sobald der Vorhang aufgeht, kommt eine Magie in den Raum. Nach einem schönen Stück brauche ich immer einige Zeit, um das Geschehende zu realisieren, die Emotionen zu verarbeiten.

Vincent: Ich bin schon länger dabei. Eine Freundin hat mich ins Theater geholt, vorher war ich nie groß Theatermensch. Theater ist das, was ich am liebsten mache.

Wie kam es, dass ihr bei unserer Familienoper auf der Theaterwiese mitmacht?

Vincent: Wir wurden von Jörg Neubauer, dem Leiter des Theaterjugendclubs, angeschrieben, ob wir Lust haben.

Gerda: Wir hatten zunächst eine normale Jugendclubprobe. Daniel Klajner kam dazu, um mal zu schauen, wen er für das Stück von uns besetzen würde, wer zu welcher Rolle passen könnte.

 

Habt ihr gleich gedacht, dass es ein schönes Projekt ist?

Fanny: Ich kannte schon die Erfahrungsberichte von Vincent und Joshua [Joshua C. Lamm, auch Theaterjugendclub, Er übernimmt die Rolle des Hades in »Orpheus und Eurydike«] und konnte mir supergut vorstellen, hier jetzt auch mitzumachen.

Gerda: Ich fand es besonders spannend, da es ein Kinderstück ist, also zu sehen, auch junge Menschen für Theater zu interessieren. Auch die Geschichte finde ich superspannend.

Könnt ihr knapp umreißen, was für eure Rolle jeweils typisch ist?

Gerda: Meine Rolle, die Schicksalsgöttin Tyche, ist sehr kindlich, sehr energiegeladen. Tyche ist fröhlich im Leben, sie ist noch sehr jung; sie sieht immer nur die positiven Seiten.

Fanny: Hera, die Ehefrau von Zeus, kann man hauptsächlich mit »pink« beschreiben, alles an ihr ist pink, mit Glitzersteinen versehen usw. Sie wirkt sehr kalt und auch sehr abgetan, fast uninteressiert. Aber sie wird auch häufig beschrieben als der eigentliche Boss, da sie in unserer Inszenierung mit dem Handy jeden herumkommandiert.

Vincent: Für mich ist der Göttervater Zeus ein bisschen ein egoistischer, abgehobener »Sack«, so’n Jackass, der eigentlich nur das macht, was er möchte, außer, wenn er Befehle von Hera bekommt. Ansonsten hat Zeus natürlich seinen Status als Oberboss, und den lebt er sehr gerne aus.

Ihr habt schon relativ früh angefangen zu proben. Wie habt ihr geprobt? Wie habt ihr euch dem Stück, der Rolle genähert?

Fanny: Ich würde sagen, es ging sehr ruhig voran, was ich gut fand, da ich das erste Mal bei einer professionellen Theateraufführung mitmache, die nicht vom Theaterjugendclub ist. Daher war es für mich eine ganz neue Erfahrung.
Wir haben uns am Anfang sehr genau mit dem Prolog und dem dortigen Handeln der Figuren auseinandergesetzt. Was denken die denn, was wollen sie? Was ist der Grund hinter ihrem Handeln? Wir haben den Charakteren erstmal Tiefe gegeben. Dadurch war es dann auch leicht, in die Rollen reinzuschlüpfen.

Gerda: Wir haben uns zunächst alle etwas kennengelernt. Ich bin wie Fanny auch das erste Mal in einer professionellen Produktion dabei, das ist ja ein großes Ding.

Vincent: Dieses Mal war auch für mich etwas Neues, denn wir haben ja keinen Text. Vorher konnten wir immer Text lernen. Diesmal sind es Aktionen, die kann man dann ja auch wirklich nur proben, wenn alle da sind und man Input von Herrn Klajner bekommt.

Fanny: Nur Hades hat Text. Wir anderen sind alle stumme Rollen. Text gibt einer Rolle ja auch immer Charakter. Wenn der Text total fehlt, muss man aus ganz anderen Orten diesen Charakter schöpfen.

Ist die Probenarbeit lustig gewesen? Hattet ihr Spaß?

Vincent: Sehr!

Fanny: Herr Klajner ist ein sehr lustiger und aufgeschlossener Mensch, er kam immer mit guter Laune rein und hat die dann auch verbreitet. Er war sehr geduldig mit uns, was wirklich manchmal nötig war, weil es immer etwas gebraucht hat, bis es so war, wie er es sich vorgestellt hat. Dadurch waren es sehr entspannte Proben.

Habt ihr eine lustige Anekdote aus der bisherigen Probenzeit? Gibt es etwas, was ihr euch gemerkt habt?

Vincent (lacht): Ich hab mir gemerkt, dass ich bis jetzt gefühlt 78 Mal von der Bank gefallen bin.

Fanny: Herr Klajner hat sehr spezifisch mit uns geübt, wie Vincent von der Bank fallen sollte, in die eine und in die andere Richtung. Er hat es uns dann auch immer vorgemacht. Außerdem ist er eingesprungen, wenn jemand gefehlt hat, und hat dann diese Rolle selbst mitgespielt. Vor allem Amor [gesungen von Yuval Oren] ist ja eine sehr aufgeweckte Gestalt, und dann ist er so mit über die Bühne getänzelt und hat auch die Tänze mitgemacht. Das war schon sehr lustig.

Gerda: Wenn man etwas gemacht hat, was noch nicht so genau seinen Vorstellungen entsprach, dann hat es Spaß gemacht, wenn er es gezeigt hat. Er war da wirklich sehr geduldig.

Jetzt kommt die nächste Phase hier auf der Theaterwiese. Ihr hattet schon Kostüm-Anproben. Gefallen euch die Kostüme?

Alle: Ja sehr!

Fanny: Ich bin relativ groß, deswegen war ich noch nie in richtigen High-Heels. Mein Charakter ist ja so knallpink, alles ist Pink und voller Glitzer. So laufe ich persönlich ja sehr selten rum. Deswegen war es auch so interessant, in dieses Kleid zu schlüpfen. Mit diesen hochhackigen Schuhen musste ich während der Proben erstmal laufen lernen, ich hab sie jede Probe angehabt. Ich soll damit ja teilweise auch rennen. Auch das Makeup hat einfach nur Spaß gemacht, weil es so bunt ist.

Gerda: Es war sehr überraschend, das erste Mal die Bilder/Figurinen zu sehen. Ich hab ja auch eine Perücke auf. Das Kostüm ist eher kindlich.

Fanny: Ich finde die Kostüme sehr passend zu den Charakteren. Bei Zeus ist alles Golden, auf seinem Shirt steht »Number one«. Hades ist ganz dunkel gekleidet; formell, mit Krawatte. Die Mitleidsfurie hat auch richtig schön passende, gedeckte Töne. Am besten gefällt mir bei Gerda die Schlangenrequisite als Hand, die ist total toll.

Gerda: Mit dieser Schlangenhand rumzuspielen macht in den Proben super Spaß. Ich habe dabei das Gefühl, dass der Arm so abgeschnitten ist, weil man ab der Schulter einen normalen Körper hat.

Bei Gluck gibt es die Götter ursprünglich ja nicht, ihr seid in dem Konzept des Regisseurs Daniel Klajner vielmehr eine »Zusatzandichtung«. Beschreibt doch mal, was für euch wichtig ist, was ihr für die Rolle jeweils im Hinterkopf habt.

Vincent: Für mich ist es wichtig, dass man die Rolle natürlich erfüllt, aber gleichzeitig auch seinen eigenen »Drift« damit reinbringt, dass man das so authentisch wie möglich rüberbringen kann. Darin liegt für mich immer die Essenz bei der Charakterausarbeitung.

Fanny: Für mich ist wichtig, den Charakter zu verstehen, denn wenn man weiß, warum ein Charakter so denkt und handelt und wie die Hintergrundgeschichte ist, dann kann man die Rolle auch besser selbst verkörpern. Wenn ich z.B. verstehe, warum Hera die ganze Zeit genervt ist oder Probleme hat, dann kann ich das ja besser darstellen. Deswegen fand ich es so gut, dass Herr Klajner uns die Rollen und die Geschichte so genau erklärt hat.

Gerda: Ich finde vor allem wichtig, dass einem die Idee gefällt, dass es für einen selbst interessant ist. Dann kann man die Rolle besser nachvollziehen.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr später mal weiter Theater machen wollt?

Vincent: Ich bin jetzt fertig mit der Schule und werde in der kommenden Spielzeit mein FSJ im Jungen Theater in Nordhausen machen. Ich möchte weiter im Schauspiel bleiben und hoffe, dass ich irgendwo einen Platz finde. Das heißt, ich mache auch im Theaterjugendclub noch weiter.

Fanny: Ich hoffe, dass ich weiter machen kann, neben dem Abi, das ansteht. Theater hat mir so viel Kraft gegeben. Ganz egal, in welcher Klausurphase ich war, die Proben haben einfach nur Spaß gemacht, und ich hab mich besser danach gefühlt. Und das möchte ich eigentlich weiter erleben. Zumal ich ja noch nicht so lange dabei bin, anders als Gerda und Vincent. Auch wenn ich irgendwann nicht mehr in Nordhausen bin, möchte ich gern versuchen dranzubleiben. Die meisten Unis haben ja auch Theater. Professionell wäre das jetzt nicht meins, da habe ich andere Ziele, aber es wäre ein schönes Hobby, es verbindet auch Menschen.

Gerda: Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Theater später als Hobby oder im Job weitermache. Auf jeden Fall möchte ich irgendetwas mit Theater machen, als Schauspielerin, oder auch hinter der Bühne.

 

Habt vielen Dank für das Gespräch. Und: Toi toi toi!

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren