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Es sei das „witzig-anmutvollste, geistreichste, tiefste und schönste Theaterspielwerk der Welt“. Sogar der kühle Hanseat Thomas Mann geriet ins Schwärmen, wenn er von Kleists „Amphitryon“ sprach. Jupiter, der Göttervater, nähert sich in der Gestalt Amphitryons dessen Gattin Alkmene, um ihre Liebe zu gewinnen. Überzeugt, ihren Ehemann zu empfangen, verschenkt sie ihre Lust. Als der siegreiche Feldherr aus Athen nach Theben zurückkehrt und Alkmene ihm für die unvergleichliche Liebesnacht dankt, fühlen sich beide auf verschiedene Weise betrogen. Die Frau misstraut ihrem eigenen Gefühl, der Mann kann die Demütigung nicht verwinden. Doch damit nicht genug. Der selbstherrliche Jupiter verlangt mehr. Er kann nicht akzeptieren, der Stellvertreter eines Irdischen zu sein, er will die treueste der Frauen ganz für sich und als Gott aller Götter erkannt und angehimmelt werden. Kleist, der 34-jährig den Freitod wählte, da er weder als Staatsbeamter, als Zeitungsmann noch als Bühnenautor Erfolge erleben durfte, treibt seine Figuren samt ihrer Dienerschaft in seinem philosophischen Lustspiel „Amphitryon“ durch ein Labyrinth aus Täuschung und Enttäuschung. Existentielle Zweifel werden laut: Woran erkenne ich, dass ich ich bin und der andere der andere? Das Schlusswort hat Alkmene mit jenem berühmten, vieldeutigen „Ach!“. Mehr Gewissheit ist nicht. Wie Kleist sind seine Theaterfiguren von Zweifeln zerrissen und zugleich besessen von kühnen Visionen.

Amphitryon