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Der Ort heißt Güllen, einst eine Kulturstadt, heute ein Provinznest, in dem zweimal am Tag ein Zug hält. Ja, früher, da hat Goethe hier übernachtet und Brahms ein Quartett komponiert. Vorbei, verweht, nie wieder. Die Industrie ging vor die Hunde, die Stadt steht vor dem Ruin. Und die Stimmung ist dementsprechend mies. Da kehrt Claire Zachanassian zurück. Die alte Dame, als Kläre Wäscher in Güllen aufgewachsen, durch Heirat zu unerhörtem Reichtum gekommen, verspricht ihrer Heimatstadt einen saftigen Scheck und den Aufschwung aus dem Jammertal. Ihr großzügiges Angebot hat nur einen Haken. Als Gegenleistung erwartet sie eine Leiche. Eine Milliarde für den Mord an ihrem jugendlichen Geliebten, dem Mann, den sie liebte und der sie mit einem Kind sitzen ließ. Ein unerbittliches Spiel um geheuchelte Anständigkeit, kollektive Schuld und menschliche Verführbarkeit beginnt.
„Eine Geschichte, die sich irgendwo in Mitteleuropa in einer kleinen Stadt ereignet, geschrieben von einem, der sich von diesen Leuten durchaus nicht distanziert und der nicht so sicher ist, ob er anders handeln würde“, schreibt Dürrenmatt 1956 anlässlich der bejubelten Uraufführung in Zürich. Inzwischen gehört die tragische Komödie zu den Klassikern der modernen Dramatik und scheint in Zeiten wirtschaftlicher und kultureller Talfahrten aktueller denn je: „Anständig ist nur, wer zahlt, und ich zahle“, sagt Claire Zachanassian.

Der Besuch der alten Dame