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So unterschiedlich die Werke dieses Doppelabends auch sind, einen doch mannigfache Verbindungen die neueste Oper von Christoph Ehrenfellner und das Ballett von Ivan Alboresi zur romantischen Musik Arnold Schönbergs. In beiden Hälften wird vom elterlichen Verhältnis zu den Kindern, von Familienkonstellationen und Paarbeziehungen erzählt. Der zentralste Brückenschlag aber sind Stationen aus der Geschichte der weiblichen Emanzipation.

»Kain und Abel«
Von der ältesten Familiengeschichte überhaupt handelt Christoph Ehrenfellners tragische Oper »Kain und Abel«, die eigens für das Theater Nordhausen entstand. Der strenge Gott-Vater bevorzugt Abel und zeigt gegenüber seinem Erstgeborenen Kain eine besondere Härte. Den Mord Kains an seinem Bruder aus Kränkung und Eifersucht beantwortet der Vater mit dessen Verbannung und dem Kainsmal. Evas Klage über den Verlust beider Söhne rahmt das archaische Geschehen ein. Es schließt mit einer überraschenden, aber konsequenten Entscheidung Evas, die weit über die biblische Geschichte hinausgeht.

»Verklärte Nacht«
In ergreifender romantischer Tonsprache schrieb Arnold Schönberg als junger Mann seine sinfonische Dichtung »Verklärte Nacht« im Jahr 1899, weit vor seiner Entwicklung der Zwölftontechnik. Zugrunde liegt dem Werk ein Gedicht von Richard Dehmel. Der 1863 geborene Lyriker brach mit damaligen Tabus bürgerlicher Moral: Eine namenlose Frau berichtet ihrem Geliebten auf einem Gang durch die Nacht, von einem anderen Mann ein Kind zu erwarten. Ihr Gefährte nimmt daran keinen Anstoß, im Gegenteil, er will das Kind um der Liebe willen wie sein eigenes annehmen.
Die ausdrucksstarke Musik, die laut Schönberg auch ohne Kenntnis des Gedichts »als reine Musik« gehört werden kann, lässt viel Interpretationsspielraum. Diesen macht sich Ballettdirektor Ivan Alboresi mit einer eigenen Sicht auf das Stück zunutze.

Übrigens: Schönbergs Erfindungsreichtum blieb nicht auf die Musik beschränkt. So entwickelte er beispielsweise ein Schachspiel, bei dem nicht zwei, sondern vier Spieler gegeneinander antreten. Für sein Arbeitszimmer baute Schönberg einen Stuhl, dessen Lehne als Leiter umfunktioniert werden konnte, damit er selbst leichter an die Bücher in den oberen Regalfächern gelangte. Außerdem verbesserte er allerlei Alltagsgegenstände und schuf u. a. einen Zahnpastaspender, einen Klebebandroller, einen Notenständer mit vier Pulten und verschiedene Schreibwerkzeuge. Seine komplexeste Erfindung aber war eine Notenschreibmaschine, mit der man 360 verschiedene Zeichen schreiben konnte.

 

Kain und Abel/Verklärte Nacht

Christoph Ehrenfellner
Kain und Abel
Libretto von Anja Eisner und Daniel Klajner
Uraufführung

Arnold Schönberg
Verklärte Nacht
op. 4 (Fassung für Streichorchester von 1943)
Ballett von Ivan Alboresi
Uraufführung

  • Fr 26.11. 19.30 Uhr Theater Nordhausen, Großes Haus
  • Fr 10.12. 19.30 Uhr Theater Nordhausen, Großes Haus
  • Sa 18.12. 19.30 Uhr Theater Nordhausen, Großes Haus
  • So 16.01. 14.30 Uhr Theater Nordhausen, Großes Haus

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