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Violetta Valéry kam aus sehr bescheidenen Verhältnissen. Ihre außerordentlich gute Bildung konnte ihr den Weg in die aristokratische Gesellschaft nicht ebnen. Doch die Türen öffneten sich, als Violetta beschloss, sich als Kurtisane aushalten zu lassen. Als sie, die für Geld viele Männer der gehobenen Kreise glücklich machte, mit Alfredo Germont, mit nur einem glücklich werden wollte, stieß die Gesellschaft sie ihres Vorlebens wegen zurück. Nicht die Luft zum Überleben blieb ihr daraufhin.

Giuseppe Verdi hatte sich den Satz "Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches erachte ich mir fremd" über die Tür seines Gutes geschrieben, und der Satz war ihm Programm. Als er 1848 Dumas’ Roman „Die Kameliendame“ gelesen hatte und später gar eine Schauspielfassung davon sah, wusste er, dass er den Stoff für eine neue Oper nutzen würde. Der Roman war noch nach der Lieblingsblume der Titelheldin benannt, doch Verdi wählte seinen Titel sehr bedacht: Seine Oper heißt „La Traviata“ – die Entgleiste, die vom Weg Abgekommene. Mitte des 19. Jahrhunderts war es noch geradezu revolutionär, in einer Oper zu bekennen, dass die praktizierte und die öffentlich vertretene Moral in der Gesellschaft weit auseinander klaffen. Verdi: " Ein zeitgenössischer Stoff. Ein anderer würde ihn vielleicht nicht gemacht haben, wegen der Sitten, wegen der Zeiten und wegen tausend anderer kindischer Bedenken."

Heute darf jeder alles sagen, auch in der Oper. Doch wenn es um die öffentlich praktizierte Scheinmoral geht, hört keiner mehr zu. Verdi ist eine Chance. Seine zu Herzen gehende Musik vermag – wenn sie sich mit dem Theater verbindet – die abgestumpften Seelen wieder zu berühren. Verdi kommt unser aller Moral mit dem Gefühl bei.

 

 

Musikalische Leitung: Markus L. Frank
Inszenierung: Enke Eisenberg
Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning
Kostüme: Elisabeth Stolze-Bley

La Traviata